Pakete nach Frankreich – Don´t think german

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Pakete nach Frankreich

Auswandern ohne Sprachkenntnisse – ein Abenteuer für sich. Hier im Elsass spricht man Deutsch. Manchmal! In den ersten Tagen des Einlebens konnte mit Besuch noch nicht gerechnet werden und das Klingen unserer überlauten Schelle dringt noch durch Mark und Bein. Glücklicherweise ist mein Büro im Erdgeschoss und somit bleibt es nicht lange verborgen, wenn es bald schellet. Dass schon bald die ersten Pakete nach Frankreich in Kürze kämen, hätten wir nicht geahnt. Doch schnell kam es zur ersten überraschenden Paketannahme. Vom Schreibtisch schaue direkt auf unser Gartentor. Das Paketauto ist mit das erste, was mir in unserer neuen Heimat schnell vertraut vorkam. Im Paketannehmen sind meine Kinder und ich Profis, weil mein Job es mit sich bringt, dass häufig kleine und große Paketsendungen ankommen. Nun war es also soweit. Es kamen die ersten Pakete nach Frankreich und erstmals nahm ich seit unserer Auswanderung im neuen Zuhause ein Paket an. Alles schien normal. Zwar konnte ich mich wegen mangelnder Sprachkenntnisse kaum mit dem Paketboten unterhalten, aber mit Händen und Füßen klappte es. Er drückte mir zwei Päckchen in die Hand, ich musste unterschreiben und die erste Paketannahme seit der Auswanderung erfolgte umspektakulär.

Pakete nach Frankreich
Pakete nach Frankreich

Paketannahme – mal mit, mal ohne

Aus Deutschland sind wir es gewohnt, dass die Paketannahme immer gleich abläuft. Unversicherte Päckchen muss man nicht quittieren, versicherte schon. Meistens zumindest, wenn nicht der Fahrer so „nett“ ist und kurzerhand die Unterschrift des Empfängers fälscht, um das Paket einfach im Hausflur abzuwerfen, wenn er wieder einmal mehr keine Lust hat, in den 5. Stock zu fahren. So öfter mal bei uns in Deutschland geschehen. Auch Pakete nach Frankreich muss der Empfänger unterschreiben. Manchmal. Ab und zu aber auch nicht. Nachdem bereits mehrere Sendungen in unserer Wahlheimat ankamen, versuchten wir ein Schema dahinter zu erraten. Einfach fragen – kaum möglich. Der Paketmann spricht kaum Deutsch und unsere Sprachkenntnisse waren bei der Auswanderung noch nicht so weitreichend. Als wieder ein Paket ankam und der Postmann auf die Unterschrift verzichtete, fragte ich: „Non signature?“ Mit vielen französischen Worten und begleitet von besonders vielen Handzeichen quasselte der nette Kerl in mein fragendes Gesicht. Ich verstand nichts. „Parlez-vous allemand?“ – „Non, non. Wasser, Wasser!“ Ich dachte mir: „Okay, das verstehe ich jetzt nicht!“ Ich klemmte die Päckchen unter den Arm, bedankte mich freundlich und ging verwundert ins Haus zurück. Ich grübelte den ganzen Tag. Am Mittag, als die Kids zuhause waren, erzählte ich ihnen von der Sache mit der Paketannahme. Die Situation war eben recht witzig. Warum redete man bei der Paketzustellung von Wasser? Vielleicht ließe sich diese Frage klären, wenn unsere Sprachkenntnisse besser würden? Bestimmt! Schließlich nehmen wir Privatunterricht und bemühen uns sehr, die französische Sprache zu erlernen. Doch so lange würden wir gar nicht warten müssen.

Die nächsten Pakete trudelten ein

Es war wieder soweit. Das Postauto fuhr vor. Die Kids waren zuhause und sie freuen sich immer, wenn aus Deutschland Pakete nach Frankreich kommen. Sie stürmten aus der Haustür raus und erledigten die Paketannahme. Kurz drauf stürmten sie mit riesigen Paketen zurück ins Haus und riefen schon im Flur entgegen:

„Wir wissen jetzt, warum man nicht immer unterschreiben muss. Wir wissen es!“

Da war ich sehr gespannt. Die Erklärung entlockte mir ein herzliches Lachen und beantwortete auch die Frage, was Wasser mit der Paketannahme zu tun haben könnte. Anders, als in Deutschland, werden hier Pakete nach Frankreich nicht durch einen elektronischen Scanner bei der Übergabe erfasst, sondern der Mann vom Paketdienst steht mit Klemmbrett und Kugelschreiber vor dem Empfänger, auf dem die Annahme handschriftlich zu quittieren ist. Wenn es jedoch regnet, oder nur regnerisch aussieht und graue Wolken den Himmel über Frankreich bedecken, bleibt das Klemmbrett einfach im Fahrzeug und der Paketempfänger muss nicht mit seiner Signatur die Entgegennahme bestätigten. Denn es könnte ja der Lieferschein vom Regenwasser aufgeweicht werden 😉 Je länger ich darüber sinniere, umso logischer wird die Sache mit der Unterschrift. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis wir unser typisches Deutsch-Denken abgelegt haben. Denn hierzulande ist einiges anders, wie auch diese kleine Pakete-Story uns schon gezeigt hatte. Natürlich werden auch unsere fehlenden Sprachkenntnisse sicher noch für so manche Verwunderung sorgen – ebenso, wie die Sache mit dem Zählen von Müllbeuteln im Elsass. Jedenfalls sollte man sich als Absender nicht so wirklich auf das Ankommen versicherter Pakete nach Frankreich verlassen. Zumindest bei Regenwetter 😉 Wir sind gespannt, was unsere Auswanderung so alles für uns bereithält.

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