Im Elsass zählen wir Müllbeutel

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Kurioses aus dem Elsass

Seit unserer Auswanderung von Deutschland nach Frankreich, genauer gesagt in den Elsass, sind uns schon so einige Kuriositäten im alltäglichen Leben begegnet. Gut, damit rechnet man, wenn man auswandert. Doch dass wir schon bald mitten in Alsace sitzen und Müllbeutel zählen würden, damit hätten wir nun so gar nicht gerechnet. Das Thema Abfall und Mülltrennung wird uns auch noch in weiteren Artikeln beschäftigen. Denn um diese mitunter komplizierte Angelegenheit gewissenhaft erledigen zu können, kommt man ohne Sprachkenntnisse und Google Übersetzer als deutscher Einwanderer nicht aus und außerdem gibt es in Alsace sogar Strafzettel auf Mülltonnen. Die Sache mit der Müllabholung ist eine Sache für sich. Aber dazu ein anderes Mal mehr.

Bereits einen Tag nach unserem Einzug in den sehr schönen Elsass klingelte es früh morgens an der Haustür. Unser Bürgermeister brachte uns mehrere Rollen Müllbeutel vorbei. Das ist nett. Noch netter: In der hiesigen Region bezahlt man für die Müllabfuhr nichts. Aber nur dann nicht, wenn man Müll trennen tut. Und zwar richtig! Dafür gibt es Müllbeutel in drei Farben. Blau, Grün und Orange. Leider hatte der Bürgermeister gerade lediglich angebrochen Rollen zur Hand. Wenn wir noch Müllsäcke für die Mülltrennung benötigen, sollten wir einfach in der Mairie vorbeikommen; wir würden noch welche bekommen.

Gemeindeblättchen zur Mülltrennung im Elsass
Gemeindeblättchen zur Mülltrennung im Elsass

Anfangs fehlte uns eine Liste, wie man eigentlich die Mülltrennung richtig macht. Die Liste würden wir später bekommen, bis dahin versuchten wir uns an die mündliche Einführung in die französische Mülltrennung im Elsass zu erinnern.

Die Müllbeutel sind leer

Es dauerte nicht lange, da waren schon kurz nach unserer Auswanderung alle angebrochenen Müllbeutelrollen aufgebraucht. Kein Problem. In der Mairie gibt es Nachschub. Oh ja, den gab es. Ein paar wenige neue Rollen und einige Rollenreste. Müllsäcke scheinen im Elsass knapp zu sein. Doch mit dem Nachschub für eine gelungene Mülltrennung Elsässer Art gibt es für jeden Haushalt eine kleine Plastikkarte. Unser Sydem pass. Damit soll man 2 mal im Jahr zu festen Terminen zum Müllbeutel-Abholen kommen.

Unsere Kreuzung
Unsere Kreuzung

Das große Müllbeutel-Spektakel in einer kleinen elsässischen Gemeinde

Unser Haus ist das Eckhaus der wohl wichtigsten Straßen Sträßchen in unserer 262 Einwohner zählenden Gemeinde. Quasi der Hauptverkehrsknoten. Der Straßenverkehr hält sich somit also trotzdem in Grenzen. Unser Bürgermeister pest zwar den ganzen Tag mit seinem kleinen, in die Jahre gekommenen Fiat Punto bergauf, bergab, rechts runter, links hoch und dabei immer an meinem Büro vorbei, aber das war´s auch schon. Fast.

Denn es gibt neben der „Regierungskutsche“ und ein paar Traktörchen noch einen XXL-Tieflader. Dessen Fahrer das riesige Gefährt gekonnt und ohne nennenswert vom Gas zu gehen um die gewagten und sehr hanglagigen Kurven manövriert, um die Erntefahrzeuge auf´s Feld und abends wieder auf den Bauernhof zu kutschen. Nicht zu vergessen der 1A ausgestattete Reisebus (davon können Schüler in Deutschland nur träumen), dessen top Fahrerin, die mir die ersten Wochen nach unserer Auswanderung häufiger das Schwitzen abgerungen, inzwischen aber mein Vertrauen gewonnen hat, einzig und allein die Schulkinder um „meine Ecke“ bringt. Alles in allem also wirklich sehr ruhig bei uns.

Doch am 17. November, der Tag, an dem wir abends zwischen 17.45 Uhr und 19 Uhr mit unserem Sydem pass erstmals die Müllbeutel für die Mülltrennung abholen sollten, wurde gestaltete sich der übrige Tag echt für gut 2 Stunden zum Event mit großem Unterhaltungswert.

Timo, Timooooo! Der LKW mit den Müllsäcken kommt!“ – rief ich vom Büro aus zum ältesten Sohn, der sich zur Abholung anbot. Schließlich sind Müllbeutel schwer und wenn man den Halbjahresvorrat nach Hause schleppen müsste, könnte er das ja seinem „Mütterchen“ nicht zumuten. Soll ich mir doch bloß keinen Bruch heben – so der Sohn. Ganz wie sein Vater!

Es war schon dunkel im Elsass, trotzdem konnte ich erkennen, dass der etwa 3 Meter von mir entfernte Riesen-LKW echt größte Müh´ und Not hatte, um die Ecke zu kommen.

Was ein Geschoss …“ rief ich, „… nur für so ein paar Müllbeutel!

Schon überlegte ich, das Büro sicherheitshalber fluchtartig zu verlassen, denn alle Straßen Sträußchen liegen am Hang. Gefährlich! Das Mäuerchen unseres Grundstücks hat sichtbar schon einigen Anschubsern kleinerer und größerer Fahrzeuge tapfer standgehalten. Aber wenn DIESER LKW ins Haus kippen würde, dann würde unser Mäuerchen sich wehrlos ergeben und fallen müssen. Zum Glück schaffte der LKW-Fahrer es im Schneckentempo doch, das wertvolle Frachtgut für die Mülltrennung zu seinem Standplatz zu lenken. Die Familie machte sich fertig, um mit dem Sydem pass die orangen, blauen und grünen Säcke für die Mülltrennung à la Alsace abzuholen. Nicht nur meine Familie machte sich auf den Weg, sondern schlagartig war an unserer Kreuzung ein signifikant erhöhtes Verkehrsaufkommen zu verbuchen.

Unsere Ecke
Unsere Ecke

Müllbeutel rationiert

Zwischenzeitlich wussten wir es schon. Müllbeutel gibt es in dieser Region im Elsass rationiert. Mülltrennung und eine maximale Menge an verbrauchten Mülltüten beschert den Elsässern und Eingewanderten die kostenlose Abfallbeseitigung. Doch wie viele der Plastiksäcke uns zur Verfügung stehen würden, konnte uns niemand so genau sagen. Das wird nämlich pro Haushalt entschieden und keiner weiß so recht, wie der Verteilungsschlüssel ist. Es hieß für uns also Abwarten und Tee trinken. Solange, bis wir seit unserer Auswanderung nach Frankreich zum ersten Mal unsere Müllbeutelration abholen würden.

Sac vert, bleu & orange - im Elsass trennt man Müll
Sac vert, bleu & orange – im Elsass trennt man Müll

Wie viele Müllsäcke gab es denn?

Das große Rätselraten ist gelüftet. Endlich hatten wir unsere Ration Tüten für die Mülltrennung. Die Ausbeute war mager. Wirklich sehr mager.

  • Sac bleu: 3 Stück
  • Sac orange: 2 Stück
  • Sac vert: 3 Stück

8 Müllbeutelrollen für 4 Personen pro Halbjahr klingt vielleicht viel. Ist es jedoch nicht, wenn man weiß, dass es in Frankreich kein Dosen- und Flaschenpfand gibt und überhaupt keine Pfandflaschen. Noch dazu haben wir Haustiere. Meerschweinchen und Katzen. Da fällt durch das regelmäßige Reinigen von Katzentoilette und Käfigen doch einiges an Müll an. Aber auch ohne die Tiere wäre es knapp, denn die Müllsäcke sind nicht allzu groß und maximal 15 Getränkeflaschen passen in einen solchen Sack – wenn man sie richtig stark zusammenpresst und den Deckel aufschraubt, damit sie sich nicht wieder mit Luft vollziehen.

Wir zählen Müllbeutel

Die Mülltrennung in Alsace ist ein an sich gutes Prinzip und wird damit belohnt, dass die Müllentsorgung kostenlos ist. Wenn´s der Umwelt dient, ist das ganz in unserem Sinne. Sowieso versuchen wir, sparsam mit unserem Müll umzugehen. Doch was anfällt, fällt an. Jetzt müssen wir mit unserer Müllsackration ein halbes Jahr auskommen. Um uns einen Überblick zu verschaffen, wie viele Tüten uns pro Tag zur Verfügung stehen, blieb uns also nichts anderes übrig, als die Anzahl der Säcke auf den Rollen zu zählen und uns einen Müllplan zu erstellen 😉 Es ist wirklich sehr knapp und wir sind uns nicht sicher, ob unsere Tütenration für die Mülltrennung wirklich ein halbes Jahr lang reichen kann. Täglich haben wir nun etwa 1 Tüte und eine halbe, um uns an der Mülltrennung à la Alsace auszutoben. Das kann heiter werden.

Was ist, wenn die Säcke nicht ausreichen?

Vor unserer Auswanderung war es mit dem Müll recht einfach. Wir kauften Abfalltüten einfach, wenn wir welche brauchten. Im Elsass kann man das auch. Dazu muss man zur Gemeinde. Was genau die zusätzlichen Abfallbeutelrollen kosten werden, lässt sich nicht wirklich nachvollziehen. Dies hat damit zu tun, wie viele Tütenrollen einer Familie im Sydem pass zugeteilt werden und wie viele man im letzten Halbjahr übrig hatte. Bevor einem das abzuholende Kontingent überreicht wird, wird man gefragt, wie viele Säcke man übrig hat; die Anzahl wird abgezogen. Je weniger Müllsäcke man im Elsass verbraucht, umso günstiger werden die Rollen zum Nachkauf – auch, wenn man DANN mehr Tüten bei der Mülltrennung befüllt. Naja, muss man nicht verstehen.

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One thought on “Im Elsass zählen wir Müllbeutel

  1. Was für ein Müllbeutelwahnsinn :) in anderen Ländern läuft eben vieles anders. Ich habe ja auch schonmal das Land gewechselt, da musste ich mich nur um nicht ganz so viel kümmern, da ich erst 13 war. Aber ich musste mich schon an vieles gewöhnen.
    Wenn man seinen Wohnort nicht mag, fällt die Entscheidung ja gar nicht so schwer. Bei dir kam ja die Familie mit, und das ist eben schön <3 Ich mag den Pott ja immer noch gerne, aber ich schließe es nicht aus, andere Städte zu mögen, vielleicht sogar mehr zu mögen und das muss alles ausprobiert werden :)
    Ich hoffe auch, dass das Einleben gut klappt. Das wünsch ich dir auch! Wie lange bist du denn schon in Frankreich?
    LG, Leeri

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