Französisch lernen: Alles easy – oder?

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Die französische Sprache – eine Herausforderung

Mit unserer Auswanderung von Deutschland nach Frankreich sind wir kopfüber in ein Abenteuer gesprungen. Null Kenntnisse, was die französische Sprache angeht. Das wollen wir ändern und Französisch lernen. Hier im Elsass kann man sich zwar mit Händen, Füßen und der deutschen Sprache durchschlagen. Allerdings scheitert man bei Behörden ohne Kenntnisse der Fremdsprache und außerdem ist es respektlos, die Landessprache des Gastlandes nicht zu beherrschen. Unsere wichtigste Mission daher: Französisch lernen. Klar, klingt super einfach und hochmotiviert machten wir uns an die Sache. Ein ganz lieber Mensch schenkte den Kids das Langenscheidt Universal-Wörterbuch Französisch-Deutsch/Deutsch-Französisch. Damit würde es schon irgendwie funktionieren, die französische Sprache zu erlernen. Von wegen! Bereits das Lesen ist eine Sache für sich – ganz zu schweigen von der Aussprache.

Mit Babbel Sprachen lernen

Ohne Sprachkenntnisse: Probleme im Alltag

Im Alltag muss man in unserer neuen Wahlheimat nicht zwingend die Landessprache kennen. Trotzdem haben wir sofort mit dem Französisch lernen begonnen, denn wir haben wir schon in den ersten Tagen gespürt, wie verloren man sich fühlt, wenn elementare Grundkenntnisse der Fremdsprache fehlen und man sich nicht verbal verständigen kann. Ohne die französische Sprache kommt man nicht aus. Weder Strom noch Telefon konnten wir ohne Hilfe von Freunden anmelden, von Online-Banking und Rechnungen bezahlen ganz zu schweigen. Das Lesen und Ausfüllen irgendwelcher Anmeldeformulare in Französisch wurde zur Tagesmission. Elternbriefe aus der Schule lassen einen ganz schön alt aussehen. Man möchte ja auch nicht wegen jedem Zettel zu den Freunden und um Übersetzung bitten. Hin und wieder klingelt es an der Haustür. Nette Franzosen, die munter darauf los reden und die französische Sprache derart perfekt beherrschen, dass man kaum dazwischen kommt, um zu signalisieren:

Je suis désoléJe ne parle pas françaisJe ne vous comprends pas.

Dabei unsere Aussprache der französischen Sprache so miserabel, dass selbst die gewilltesten und freundlichsten Franzosen uns nicht verstehen. Im Eilverfahren lässt sich allerdings kein Französisch lernen. Das Langenscheidt Universal-Wörterbuch Französisch-Deutsch/Deutsch-Französisch liegt inzwischen an der Haustür griffbereit parat. So kann man wenigstens manchmal das ein oder andere Wort aufschlagen um mit dem Finger drauf zu tippen. Doch wirklich hilfreich ist dies selten. Wir wollen und müssen Französisch lernen – möglichst schnell. Denn nicht einmal den Mietvertrag kann man ohne ausreichende Sprachkenntnisse in der Fremdsprache lesen.

Französisch lernen für Selbständigkeit
Französisch lernen für mehr Selbständigkeit im Auswandererland

Aussprache macht das Lernen schwer

Als Fremdsprache Französisch lernen zu wollen, ist alles andere als einfach. Der Satzbau unterscheidet sich sehr stark von dem der deutschen Sprache. Die Buchstaben werden anders ausgesprochen und beim Lesen wirkt die französische Sprache wie ein Buch mit sieben Siegeln. Um Französisch lernen zu können, führt meines Erachtens der Weg des Erfolgs nicht über das Lesen und Schreiben, sondern zunächst muss man ein Gehör für die Aussprache entwickeln. Es klingt so, als schürzen die Franzosen den Mund beim Formulieren der Worte besonders stark. Für uns Deutsche, die aus einer Region kommen, in welcher man eine sehr breite Phonetik gewohnt ist, fällt dies unglaublich schwer. Ein sehr deutliches Beispiel ist das französische „oui“ (ja). Die Eigenart der Franzosen, die drei Buchstaben zusammengezogen auszusprechen, bereitet uns große Schwierigkeiten. Sagen wir „oui“, klingt es eher wie das englische „we“, das übersetzt „wir“ heißt. Die Nasalvokale sind gänzlich neu und bei ersten Sprachversuchen klingen sie bei uns mehr als „Nachäffen“ von Lauten, denn als ausgesprochene Worte. Ebenfalls kompliziert ist beim Französisch lernen das Zusammenziehen mehrerer Worte, die von uns brav einzeln ausformuliert werden. Es wundert uns also nicht, dass unsere noch bescheidenen Sprachversuche von den Franzosen als unbekannte Fremdsprache, nicht aber als ihre eigene Muttersprache empfunden wird. Französisch lernen wird uns also sehr, sehr lange beschäftigen.

Wie lernt man eine Fremdsprache – schnell?

Französisch soll nicht ewig eine Fremdsprache für uns bleiben. Deshalb nutzen wir diverse Möglichkeiten, die französische Sprache für uns zu erlernen. Die Zeit für ein paar Sprachkurse ist nicht vorhanden.

Französisch lernen in der Schule und im Privatunterricht

Damit die Kinder schnellstmöglich den Anschluss an die Schulklasse sixième des collèges finden, kommt einmal wöchentlich eine Privatlehrerin ins Haus, mit deren Hilfe sie Französisch lernen können. Mehr ist nicht möglich, weil alle Kinder in Frankreich ganztags beschult werden. Es bleibt somit nur der Mittwochnachmittag, denn mittwochs gibt es lediglich 4 Schulstunden. Der Privatunterricht ist praxisbezogen, individuell und macht den Kindern großen Spaß. Die Lernmethoden der Lehrerin sind toll und trugen schon nach der ersten Doppelstunde Früchte. So kann das weitergehen. Hausaufgaben gibt es beim Privatunterricht ebenfalls. In der Schule erhalten meine Kinder derzeit intensiven Französischunterricht, denn ohne die französische Sprache können sie im regulären Unterricht nicht folgen. Schulisch bedeutet dies für die Kinder momentan einen Schritt zurück, wobei sie im englischen und deutschen Sprachunterricht zu den Klassenbesten zählen.

Google Übersetzer & Wörterbuch lesen

Was die Hausaufgaben anbetrifft, bemühen wir uns sehr, diese gemeinsam zu schaffen. Dies ist natürlich nicht einfach und setzt ebenfalls Französisch lernen im Eilverfahren voraus. Beim Matheunterricht könnten die Kids den Stoff, scheitern jedoch daran, die Aufgabenbeschreibungen zu verstehen. Am Abend sitzen wir zusammen und nutzen Wörterbuch und den inzwischen ungeheuer wichtig gewordenen Google Übersetzer, um so herauszufinden, was gefordert wird. Häufig wiederkehrende Begriffe werden sofort notiert und immer wieder lesen wir unsere Vokabelhefte, fragen uns gegenseitig z. B. während des Essens ab, hören uns die Aussprache der schwierigen Wörter an, damit uns die französische Sprache vertrauter wird.

Sprechen, sprechen und noch mehr sprechen

Derzeit ist das Französisch lernen omnipräsent. Wann immer sich die Möglichkeit bietet, fragen wir nach und nutzen die Gelegenheit, Sprachübungen einzulegen. Einfachste Vokabeln, aber auch kleine Sätze. Die Kids profitieren enorm davon, dass nahezu alle französischen Kinder Deutsch als Fremdsprache lernen und unsere Heimatsprache hier in der Region fast von jedem gesprochen wird. So können sich die Kids gegenseitig im „Deutsch-Französisch-Kauderwelsch“ prima unterhalten und voneinander lernen.

Memories & Französische Lieder

Zwei sehr tolle Ideen, die uns wirklich beim Französisch lernen weiterhelfen, sind Musik und Memories. Unlängst kamen die Kinder mit einem Briefumschlag von der Schule. Begriffe rund um die „Cuisine“ (Küche) waren auf einzelnen Kärtchen notiert – einmal in Deutsch, einmal in Französisch. Zu jedem Kärtchen muss das jeweils passende in der anderen Sprache gefunden werden. Solche Lernmemories kann man in den verschiedenen Themenbereichen recht einfach selbst anfertigen und bei immer weiter ausbauen. Youtube ist ein weiteres wichtiges Element, mit welchem wir Französisch lernen. Viele Musikclips sind mit Songtext unterlegt, so dass man einerseits die Aussprache beim Hören einüben kann, andererseits beim Mitsingen die Phonetik in der neuen Fremdsprache trainieren kann. Optimal sind Songtexte, die in die Deutsche Sprache übersetzt im Netz stehen. Damit kann man auch den Inhalt erfassen und weitere Vokabeln lernen.

Strukturiertes Lernen – Gar nicht so einfach

An sich wäre es schön, unsere Sprachkenntnisse beim Französisch lernen strukturiert auszuweiten. Die Realität zeigt jedoch, dass dies kaum praktikabel ist, wenn man kaum oder gar kein Basiswissen hat, auf das man aufbauen könnte. Zunächst müssen wir die alltäglichen Dinge erlernen, um notdürftig uns verständigen zu können. Wichtiger denn das Schreiben ist das verbale Kommunizieren sowie das Lesen. Aktuell ist es so, dass wir uns von Buchstabe zu Buchstabe durchhangeln und nicht wissen, wie man ausspricht, was man liest. Französisch lernen fällt uns schwer, weil Buchstaben zwar geschrieben, aber nicht gesprochen (Stumme Zeichen) bzw. anders ausgesprochen werden, als sie zu sehen sind. Obwohl ich überzeugt bin, ein gutes Gefühl für Sprache zu haben, ist die französische Sprache eine echte Herausforderung, bei der ich mir die Frage stelle, ob man sie überhaupt zeitnah strukturiert lernen kann. Bisweilen arbeiten wir in einzelnen Fragmenten, die hoffentlich zu einem Ganzen werden. Wir berichten natürlich auch weiterhin, welche Fortschritte wir beim Erlernen der Fremdsprache machen und ob es mit Lesen, Sprechen, Schreiben und Aussprache doch noch irgendwann klappt 😉

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