Paris Freitag der 13. November 2015

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Ein Schwarzer Freitag. Nicht die Börse. Nicht Frankreich. Nicht Paris. Freitag der 13. November 2015 – wieder ein Tag, der in die Geschichte der Menschheit eingegangen ist. Das Grauen hat einen Namen – TERROR.

Anstatt vereint das Geschehene zu verurteilen und vereint nach Abhilfe für blutrünstige Taten zu suchen, geht es um die Abklärung der Schuldfrage. Ein Muster der Menschen, dass ein Schuldiger alsbald gefunden werden MUSS.

Paris Freitag 13. November 2015
Paris Freitag 13. November 2015

Terror Paris 2015: Die Welt nimmt Anteil – live

Pressemeldungen und Kommentare in sozialen Netzwerken überschlagen sich und ich kann es nicht mehr lesen. Arbeit, Arbeit und noch mehr Arbeit waren eine gute Lösung. Konnte ich mich damit dem Grauen entziehen? Nein! Privatnachrichten erreichten mich, Freunde und so auch ich selbst hatten Redebedarf. Diese menschenverachtende Blutrünstigkeit lässt Menschen nicht kalt. Wirft Fragen auf. Fragen, auf die es für mich und viele meiner Freunde keine Antworten gibt.

Bereits bei der ersten Meldung, dass es am Freitag den 13. November 2015 abermals in Paris ein „Vorfall“ gibt, war mir klar: Das wird wieder etwas „Großes“.

Um 22:32 Uhr las ich den ersten Aufmacher bei Focus Online

„Vermutlich mehrere Tote bei Schießerei in Paris – Aus aller Welt“

Noch ließ sich das neuerliche Ausmaß dieses blutrünstigen Akts der Gewalt nicht erahnen. Und doch gab es Menschen in meinem Umfeld, die bereits zu dieser Minute wussten, dass es viele Opfer geben würde. Weil sie sich seit vielen Jahren kritisch mit Politik rund um den Globus beschäftigen und nichts schön reden, wo es nichts zu beschönigen gibt. Einer davon bin ich.

Wahl zwischen Krieg und Frieden?

Die Menschheit will offensichtlich keinen Frieden. Oder kann keinen Frieden! Mir ist es vollkommen egal, ob dies aus religiösen Gründen nicht möglich ist oder wegen Dummheit oder wegen Habgier oder wegen Geilheit nach Macht.

Mir fällt es schwer, in solchen Tagen meine Wortwahl zu überdenken und Verständnis aufzubringen. Auch in Kollegenkreisen wird diskutiert. Ein geschätzter Kollege – bitte sieh es mir nach, dass ich NICHT deiner freundlichen Bitte nicht nachkomme und nicht mir vorstellen werde – äußert sich auf seiner Facebook-Pinnwand in einem kurzen Kommentar, den ich sehr unglücklich formuliert finde, wenngleich der dahinterstehende Gedanke mir bewusst ist.

Am 14. November 2015 schrieb dieser auf seiner Pinnwand

„Hoffentlich bekommt Paris eine friedlichere Nacht.“

Frieden – den wünsche ich mir schon lange. Nicht nur für Paris – meine Hauptstadt. Sondern für die Welt. Dabei erlebe ich jeden Tag, dass die Menschen im Krieg leben. Wo sind da deine – oft so weisen – Worte?

Für mich bleiben Menschen, die Leben auslöschen DRECK. Abschaum. Ob das mit Waffengewalt, Splitterbomben, Justizirrtümern, Amtsmissbrauch oder wie auch immer geartet passiert!

Darf Herkunft und Prägung eine Erklärung sein?

Ich will und werde mir nicht vorstellen, dass man vielleicht als Kind geboren und in einem Land aufwächst, in dem man von Kleinauf lernt, eine „Personengruppe X“ töten zu müssen. Ja, du hast Recht. Dinge, die einen täglich umgeben, werden zur Normalität. Vielleicht auch Gewalt, Blut und Mord.

Es gibt allerdings etwas, das sich Intelligenz nennt. Du kannst es auch als Anstand, Ehre, Gewissen, Ethik oder was auch immer bezeichnen. Vielleicht sprechen wir auch von Entwicklung? Lernprozessen?

Wie wäre es, wenn du in Frankreich leben würdest? Wenn diese Grausamkeit sich in deinem Land zutragen würde? Wenn eins deiner Kinder unter den Opfern wäre? Deine Frau? Dein Vater? Deine Mutter? Dein Bruder? Deine Schwester? Könntest du deinen Frieden finden?

Was unterscheidet UNS BEIDE von denen? Von denen, die am Freitag den 13. November 2015 Paris, Frankreich und viele Teile des Planeten Erde auf diese brutale Weise geschockt und traumatisiert haben?

Richtig. Wir lösen Konflikte anders. Ohne Bomben. Ohne Waffen. Ohne Blutspuren. Wir diskutieren beispielsweise auf Facebook über verschiedene Ansichten. Gut, jetzt tendierst du vielleicht dazu, mir zu antworten, wir seien ja nicht DORT aufgewachsen und seien nicht SO geprägt. Ja, richtig! ABER!!!

Man ist, was man draus macht!

Mein ABER´s: Meine Hemmschwelle und meine Intelligenz – gepaart mit der Bereitschaft, mein Handeln nicht nur nach meiner Überzeugung auszurichten, sondern auch über die Konsequenzen meines Handelns nachzudenken. Was ich mache, muss ich mit meinem Gewissen vereinbaren können!

Ich wuchs in urkatholischer Gegend auf, „genoss“ katholischen Religionsunterricht, bin getauft, ging zur Kommunion, wurde gefirmt, war Messdienerin und lehrte aus Schulbüchern, die mir Glauben machten, Menschen wünschten sich Frieden, Deutschland wäre eine Demokratie, Politik wäre für die Völker.

Ziemlich viel Schwachsinn auf einmal, wie ich im Laufe des Lebens begreifen musste.

Geprägt bin ich also auch – sehr sogar. Trotzdem habe ich mich weiterentwickelt. Die Augen aufgemacht, mein Gehirn aus dieser Dauerberieselung gelöst und eigenständig verschiedene Denkmodelle genutzt. Dabei kommen hin und wieder ziemlich schlaue Gedanken und Erkenntnisse zum Vorschein

Eine davon: Dass ich meinen Ausbildungsberuf (Ausbildung aufgrund sehr guter Leistungen vorzeitig abgeschlossen) ein 3/4 Jahr nach Abschlussprüfung an den Nagel hing. Weil ich in einem „ehrbaren“ deutschen Unternehmen eingesetzt und dort an der Entwicklung unschöner Waren beteiligt war, ohne anfangs zu wissen, um was es ging.

Damals war ich jung – knappe 19 Jahre alt – und erlebte aus meiner Sicht eine Welt mit mehr Frieden.

Jeder Mensch trifft Entscheidungen – bei jedem Handeln

Es geht um Entscheidungen, die man trifft. Mache ICH mit? Kann ICH das mit meinem Gewissen vereinbaren?

Machst DU es dir nicht viel zu einfach, andere aufzufordern, mögliche Erklärungen für dieses Grauen in Paris an jenem 13. November 2015 sich vorzustellen? Und noch Verständnis dafür zu erwarten?

Nein! Ich verstehe nicht! Und ich WILL nicht verstehen! Ich will nicht „im Großen denken“, wenn ich sehe, lese und höre, was ich sehe, lese und höre.

Der Unterschied zwischen lesen, hören und fühlen

Es war der 14. November 2015 – um 00:24 Uhr. Keine deutsche Pressemeldung. Sondern eine Privatnachricht einer Freundin, die ebenfalls wie ich in Frankreich lebt. Ihr Mann ist Franzose. Natürlich verfolgte die Familie die französischen Live-Nachrichten.

Um 00:24 Uhr schrieb sie mir diese Worte:

„Sie erschiessen gerade die Leute. Im Konzertsaal. Gerade jetzt!“

WANN? – kam DIESE Meldung in Deutschland? WANN wurde von diesen Exekutionen – diesem Begriff bedienten sich deutsche Medien – online in den Tickern berichtet? Später, viel später. Während man hier in Frankreich die Schüsse live hörte und fühlen konnte. Fühlen musste. Genau in diesem Augenblick richteten jene Menschen hin. Einfach so!

Niemand, wirklich niemand kommt angesichts dieses Gefühls auch nur im Ansatz auf die Idee, nach möglichen Erklärungen zu suchen oder Verständnis aufzubringen.

Ich WILL und werde nicht Erklärungen akzeptieren oder Verständnis aufbringen. Auch, wenn es Gründe für diese Meuchelein geben mag. Mich interessiert das nicht, denn ich will eine Welt, in der es DAS nicht gibt.

Und wenn sich DAS nicht verhindern lässt, dann will ich wenigstens, dass es nicht in meiner Nähe passiert. Denn ich bin weder ein Politiker noch ein Wirtschaftsboss, der mit dreckigen Geschäften diese Grausamkeiten durch Lieferungen fördert. Ich bin kein „Man of War„!

Ich kann keinen Frieden schaffen, aber…

Meine Möglichkeiten als Einzelperson, unrechte Dinge auf europäischem oder gar auf globalem Boden zu unterbinden sind de facto sehr beschränkt. Soweit es mir möglich ist, tue ich, was MIR machbar ist.

  • Den Waffenhandel und die Waffenindustrie kann ich nicht aufhalten. Ich kann aber meine Kündigung einreichen und mich DARAN nicht beteiligen.
  • Ich kann das Treiben der Politik nicht stoppen. Ich kann jedoch diese Politiker NICHT mit meiner Wählerstimme unterstützen.
  • Natürlich muss ich mir überlegen, wie viele Klicks und Sales ich generieren. Aber vielmehr Zeit verbringe ich im Ehrenamt und damit, Menschen in Not zu helfen. Ohne dabei an die Klickrate zu denken.
  • Ich kann nicht die Bildung von Giga-Konzernen verhindern. Ich kann aber kleine Unternehmen unterstützen, in dem ich dort kaufe und bereit bin, mehr zu bezahlen – obwohl ich garantiert weitaus weniger Geld habe, wie so manch anderer.
  • Ebenso wenig kann ich das gesamte Unrecht auf diesem Planeten bekämpfen. Aber seit über 10 Jahren kämpfe ich gegen Behördenwillkür und verschließe meine Augen nicht.
  • Ich kann nicht den Weltfrieden bringen. Aber ich kann meinen Beitrag im Kleinen dazu leisten.

Tagtäglich bringe ich meinen Kindern bei, keine Gewalt auszuüben. Ich erkläre ihnen, dass es manchmal klüger ist, auf das eigene Recht zu verzichten, anstatt es mit Gewalt durchzusetzen. Ich erkläre meinen Kindern, dass sie tolerant sein sollen, wenn jemand eine andere Meinung hat. Dass es erstrebenswert ist, sich auseinanderzusetzen und nicht blindlings zu glauben. Ich lehre meine Kinder, sich für Schwächere einzusetzen und zu teilen. Ich lehre meine Kinder, dass Geld und Macht nicht erstrebenswertesten Güter sind, sondern menschliche Werte. Das sind nur einige Beispiele aus MEINEM Leben.

Erzähle mir nun bitte nicht, dass ich aufgrund meiner Herkunft und meiner Prägung eine andere Interpretation „menschlicher Werte“ hätte. Das wäre schlichtweg Blödsinn.

Weil ich jeden Tag auf´s Neue NEIN dazu sage!

Ich bin nämlich weder katholisch, noch gläubig noch politisch – obwohl genau dies meine Prägung war. Ich bin ein Mensch – mit Herz, Gefühl, Verstand und gesundem Egoismus.

Als solcher will ich

  • leben
  • dass meine Kinder leben
  • wir in Freiheit leben
  • wir ohne Gewalt leben
  • wir ohne Schmerzen leben
  • das Leben genießen können
  • mich nicht manipulieren lassen
  • frei denken dürfen

Was ich nicht will: Um geliebte Menschen trauern! Damit erfülle ich das, was auf die meisten Menschen weltweit zutrifft – unabhängig von Religion und Glaubensrichtung.

Man muss nicht – wie du es von mir einfordertest – im „Großen“ denken. Es reicht zu wissen, dass kein GESUNDER Mensch einen Angehörigen zu Grabe tragen möchten.

DAS ist THE POINT OF TRUTH!

Würde jeder Mensch diese einfache Faustformel des Lebens als Maßstab betrachten, hätten die Menschen in Paris am 13. November 2015 ihren Frieden gehabt!

In diesem Sinne möchte ich ein Zitat eines ebenfalls geschätzten Kollegen anführen. Er ist Moslem und hat sich zu dem martialischen Gemetzel in Paris mit diesen wunderbaren Worten (nur ein kleiner Ausschnitt) geäußert:

„Ungerechtigkeit und Grausamkeit muss von Allen bekämpft werden.“

Du siehst, es spielt keine Rolle, wo man herkommt, wie man vielleicht geprägt ist oder welchem Glauben man angehört. Es kommt einzig darauf an, was man daraus macht. An jedem neuen Tag. Mit jeder einzelnen Handlung.

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