Charlie Hebdo – Attentat in Paris

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CCharlie Hebdo Attentat 07.01.2015
Charlie Hebdo Attentat 07.01.2015

Unfassbares Attentat auf Satire Redaktion Charlie Hebdo

Paris, Frankreich, die Welt – hält den Atem an. Heute, am 07.01.2015, fand in Paris (Frankreich) ein grausames Attentat auf die Satire Redaktion Charlie Hebdo statt. Ein weiterer Terroranschlag, der Menschenleben kostete. Innerhalb kürzester Zeit füllte sich das Internet mit mehreren Videos, die dieses unsägliche Massaker aus den verschiedensten Perspektiven zeigen. Menschen, die aus Angst um ihr Leben rannten und gleichzeitig zum Smartphone griffen, haben die Szenen eines Attentats in schockierenden Filmen festgehalten und schufen somit dramatische Bilder, die in die Geschichte eingehen werden. Uns fehlen die Worte, um auf diese Bluttat angemessen einzugehen.

Die Satire Redaktion Charlie Hebdo gilt als islamkritisch. Mir persönlich war das Blatt bisweilen noch nicht bekannt und es trifft mich zutiefst, auf diese Weise erstmals über das Satiremagazin zu erfahren. Für uns als Einwanderer ein schwarzer Tag. Auch für Menschen, die nicht in Frankreich leben, bleibt an diesem Tag die Welt stehen und hüllt sich in Trauer.

Pressemeldungen zufolge verloren bei dem Attentat auf das Satire Magazin Charlie Hebdo (Redaktionssitz Paris) mindestens 12 Menschen ihr Leben. Acht weitere Personen seien verletzt, vier davon sollen in Lebensgefahr schweben, so zu lesen auf Yahoo-Nachrichten.

Hintergründe zum Charlie Hebdo Attentat

Gegen 11.30 Uhr wurde am Redaktionssitz in der Rue Nicolas Appert (Pariser Zentrum) von mindestens zwei, vielleicht sogar drei bewaffneten Männern umhergeschossen. Die Angreifer sollen mit Kalaschnikows bewaffnet gewesen sein.

Die Charlie Hebdo Zeichner

  • Charb (Stéphane Charbonnier)
  • Wolinski
  • Tignous
  • Cabu

sowie weitere Journalisten, zwei Polizisten und zwei weitere Personen sollen bei dem bewaffneten Angriff getötet worden sein. Es gab noch mehr Verletze.

Die Täter haben zunächst die Charlie Hebdo Satire Redaktion gestürmt, Journalisten und Zeichner ermordet. Laut „Le Figaro“, der sich auf Polizeikreise beruft, gab es einen weiteren Schusswechsel mit Sciherheitspersonal – die Täter haben sich ruhig und entschlossen verhalten, so n-tv.

Die Täter seien in einen Schusswechsel mit Polizeikräften geraten. In einem der Videos ist zu erkennen, dass eine bereits verletzte Person am Boden liegend erschossen wurde. Mit bereitstehendem Fluchtfahrzeug sind die Täter geflüchtet. Zur Stunde sind die Täter noch flüchtig; für Paris wurde höchste Terror-Warnstufe ausgerufen.

Frankreichs Satiremagazin Charlie Hebdo

Die französische Satirezeitschrift veröffentlicht im wöchentlichen Turnus seit 1992 seine Printauflage und geht auf das Magazin Hara-Kiri zurück, welches temporär verboten und später eingestellt wurde. Die Satire Redaktion widmete sich in der Vergangenheit häufiger islamkritischen Themen und machte Namen durch entsprechende Karikaturen. Es folgten diverse Gerichtsprozesse. Bereits in 2011 gab es ein Attentat auf die Redaktion des Charlie Hebdo. Ein Zusammenhang des Brandanschlags, bei dem glücklicherweise kein Personenschaden zu verzeichnen war, mit Mohammed-Karrikaturen kann könne nicht ausgeschlossen werden, so die Medien seinerzeit. Es kam zu Hacker-Angriffen auf das Magazin. Später zog die Satire Redaktion in die Rue Serpollet (Paris).

Charlie Hebdo polarisiert mit Satire

Durch die immer wieder auflebende Islamkritik in Wort und Bild bewegte sich Charlie Hebdo auf brisantem Terrain. Wikipedia zitiert Chefredakteur Stéphane Charbonnier wie folgt:

„Wir veröffentlichen Karikaturen über jeden und alles jede Woche. Wenn es aber um den Propheten geht, wird es Provokation genannt. Erst darf man nicht Mohammed zeichnen, dann nicht mehr einen radikalen Muslim, und jedes Mal wird es heißen: Das ist eine Provokation für einen Muslim. Ist die Pressefreiheit eine Provokation? Ich rufe strenggläubige Muslime ebenso wenig auf, ‚Charlie Hebdo‘ zu lesen, wie ich in eine Moschee gehe, um einen Diskurs anzuhören, der meinen Überzeugungen widerspricht. Wir halten uns an die Gesetze der Republik und des Rechtsstaats.“

Das Attentat auf die Satire Redaktion ist ein Anschlag auf Menschen, aber auch ein Anschlag auf die Pressefreiheit. Eins der höchsten Güter der modernen Menschengeschichte.

Wie weit darf Satire gehen?

Satire ist gewagt. Eine Kombination aus Kritik, Spaß, tieferem Sinn und einer gewissen Ernsthaftigkeit. Dass Satire als Verhöhnung aufgefasst werden kann, ist durchaus nachvollziehbar. Mit Satire in Wort und/oder Bild sollte man nicht allzu ernst umgehen und doch kann sie tief sitzende Gefühle, Glaubensansichten und Überzeugungen verletzen. Doch sie fordert keine Menschenleben! Satire steht für Pressefreiheit!

Heute wurde Charlie Hebdo Chefredakteur Stéphane Charbonnier´s Leben beendet. Yahoo schreibt und zitiert:

„In einem Interview mit der Zeitung „Le Monde“ sagte der Chefredakteur des Satiremagazins: „Ich sterbe lieber aufrecht als auf Knien zu leben.“ Sein Stift sei seine Waffe: „Damit macht man nicht den Eindruck, als würde man jemanden abstechen.““ 

In der Tat: Ein Stift kann eine Waffe sein. Worte und Karikaturen dürfen keinesfalls Menschenleben einfordern, sondern Menschen ins Gespräch bringen. Satirische Werke sind nicht geschaffen, um Blut zu vergießen, sondern wollen ernste, gewichtige Themen auf eine weniger verfahrene Ebene bringen, um zur Diskussion zu führen, zum Nachdenken anzuregen und im besten Falle Situationen zu entschärfen und Lösungsansätze in Konflikte bringen zu können.

Kein Konflikt darf derart enden. Keine Satire hat dies zum Ziel.

Die Welt im Schockzustand

Bedauerlicherweise reichen unsere Sprachkenntnisse bei Weitem noch nicht aus, die Ansprache des französischen Präsidenten Präsident Francois Hollande vollständig verstehen oder den französischen Pressemeldungen folgen zu können. Angesichts der Bilder, die Paris, Frankreich und die übrige Welt in Lähmung versetzen, erscheint dies nicht nötig. Ob politisch oder religiös motiviert, ist ein solches Attentat ein Akt von Terror, der sich nicht mit unserem Weltbild vereinbaren lässt. Wir alle sind Menschen – ungeachtet der Herkunft, ungeachtet des Glaubens.

Wir sehen uns derzeit als deutsche Familie in Frankreich ebenfalls mit Rassismus, mangelnder Akzeptanz und Intoleranz konfrontiert. Aber wir geben glauben daran, dass Menschen friedvoll und in Toleranz miteinander leben, sich gegenseitig achten und respektieren sollen, müssen und können.

Ungeachtet unserer Herkunft sind unsere Gedanken bei den Angehörigen und Freunden der Ermordeten und Verletzten.

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