Auswandern – einmal anders

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Auswandern nach Frankreich
Auswandern nach Frankreich

Auswanderung ohne Vorbereitung

Jährlich wandern viele Menschen aus ihrem Heimatland aus. Nicht selten kehren sie nach einiger Zeit völlig desillusioniert zurück, weil die Auswanderung nicht gut genug vorbereitet war. Es wird jenen geraten, sich gründlich und lange auf das Auswandern vorzubereiten, sich ein ausreichendes finanzielles Polster aufzubauen, die neue Sprache zu lernen und so weiter. Unsere Auswanderung von Deutschland nach Frankreich passierte ganz anders. Eine spontane Entscheidung, kaum Vorbereitung, keine Sprachkenntnisse und ein überschaubares Finanzpolster. Ein großes Wagnis also, bei dem wir doch einige Sicherheitsleinen mit dabei hatten. Der Job konnte mitgenommen werden, in der Region spricht man Deutsch und eine befreundete Familie unterstützte uns in den ersten Monaten, die wir in unserem Auswanderungsland Frankreich verbachten. Dennoch ist es sicher sinnvoll, auf eine vernünftige Vorbereitung zu setzen und sich ausreichende Sprachkenntnisse anzueignen. Weil nicht jede Auswanderung so leicht ist, wie unsere.

Formalitäten bei der Auswanderung

Wer Pläne hegt, das Abenteuer Auswanderung in Angriff zu nehmen, hat einen Traum, den er oder sie realisieren möchte. Zu diesem Traum gehören aber auch die Formalitäten – die machen selten Spaß und sind in einem fremden Land nicht immer ganz so einfach. Hier in Frankreich haben wir mehr als nur einmal gestaunt, wie unkompliziert manche Dinge sein können, während andere viel komplizierter als in Deutschland sind. Oft hängt es einfach auch nur von einem Sachbearbeiter ab, wie genau er seinen Job erledigt oder wie wenig Lust er gerade an dem Tag auf seine Arbeit hat, wenn man etwas erledigen muss. Ein Anruf des netten und hilfsbereiten Vermieters bei der Bank kann schon mal die Kontoeröffnung drastisch vereinfachen. Das Einrichten eines Telefonanschlusses dagegen kann eine nervenzerreißende Prozedur werden, wenn man noch kein Bankkonto hat oder die Zugangsdaten für´s Internet in einem Wust von Papieren irgendwo mitten drin ganz unscheinbar versteckt notiert wurden oder es gleich mehrere Benutzernamen und Kennwörter gibt, von denen man nicht weiß, wo man sie benutzen soll. Da helfen bescheidene Sprachkenntnisse oder Übersetzungstools kaum weiter. Das Bezahlen der Telefonrechnung in Frankreich beispielsweise nicht so unkompliziert wie in Deutschland. Gleiches gilt für die Stromrechnung, da es hierzulande nicht üblich ist, eine Überweisung zu machen, sondern alles darauf ausgerichtet ist, dass fällige Beträge vom Bankkonto eingezogen werden. IBAN und BIC stehen auf kaum einer Rechnung drauf und werden auch nicht am Telefon verraten. Wohl dem, der bereits ein Bankkonto im Auswanderungsland eröffnen konnte. Interessant ist, dass man eigentlich für den Telefonanschluss einen Stromanschluss sowie den Mietvertrag vorweisen muss, für den Stromanschluss den Telefonvertrag sowie den Mietvertrag vorlegen muss und für den Abschluss eines Mietvertrages bereits ein Telefonvertrag sowie eine Stromrechnung braucht. Sicher ist das nicht in jedem Auswanderungsland so, aber diese Beispiele zeigen sehr schön, wie nervenaufreibend und abenteuerlich die Formalitäten rund um die Auswanderung werden können und wie schwierig die Wohnungssuche in Frankreich sein kann.

Auswandern nach Frankreich
Auswandern nach Frankreich

Welche Behörde ist zuständig?

Deutschland ist für seine Bürokratie berühmt. Und berüchtigt. Schlimmer noch soll es in Ländern wie Spanien oder Frankreich sein. Wir wurden vorgewarnt, dass wir uns auf sehr viel Bürokratie bei unserer Auswanderung einstellen müssen. Bislang kann ich das so noch nicht bestätigen – was nicht heißen soll, dass dies nicht doch noch kommen kann. Die Anmeldung bei der Gemeinde war ein Kinderspiel. Ein Besuch in der Mairie (das Rathaus) verlief völlig unkompliziert. Personalausweis und Geburtsurkunden reichten, um unsere Namen und Geburtsdaten auf Karteikärtchen einzutragen. Schon waren wir offizielle Gemeindemitglieder. Schwieriger ist es, wenn man bestimmte Formalitäten erledigt, die nicht auf der Mairie erledigt werden können. Beispielsweise die Anmeldung der Kinder in die Schule. In den Ferien war niemand zu erreichen, nach den Ferien nahm keine Schule die Kinder auf, weil sie die französische Sprache noch nicht beherrschten. Welche Behörde ist zuständig? Wer kann helfen? Es dauerte viele Telefonate und Fahrereien, bis es uns möglich war, die Kids in die Schule zu bringen. Die Behörden liegen nicht immer am Wohnort und nicht immer auch in der näheren Umgebung. Das Internet liefert nicht immer die richtigen Auskünfte, zu welcher Stelle man tatsächlich gehen muss. Auch hier wären gute Sprachkenntnisse äußerst hilfreich, wenngleich ich auch sagen muss, dass wir mit einem Franzosen befreundet sind, der selbst am Telefon oft mehr als ratlos ist, wenn es um das Einholen solcher Auskünfte geht, weil niemand so recht Bescheid weiß, welche Behörde für was zuständig ist. Aber jene bürokratischen Hürden sind uns aus Deutschland in der Form auch bekannt. Was uns in Frankreich sehr positiv auffällt und was somit ein krasser Gegensatz zu Deutschland ist: Die Menschen sind sehr hilfsbereit. Selbst Beamte. Hier wird man zurückgerufen, weil sich doch jemand dazu bereit erklärt hat, auf offene Fragen Antworten zu finden.

Welche Vorbereitungen sollte man treffen?

Die besten Vorbereitungen helfen nicht zwingend

Das erscheint mir eine gute Frage. Wenn ich es im Nachhinein betrachte, haben wir uns doch vor der  Auswanderung recht umfangreich informiert und sind allerdings schnell dahinter gekommen, dass es im Internet zwar massenhaft Informationen gibt, die aber oft sehr gegensätzlich sind. Also nichts, worauf man sich verlassen kann. Deshalb hätte es uns nicht geholfen, wenn wir uns noch länger erkundigt und informiert hätten, weil man letztlich erst erfährt, wie alles wirklich ist, wenn man mittendrin steckt – im Abenteuer auswandern. Wir kamen sehr schnell zu dem Entschluss, dass wir einfach ins kalte Wasser springen werden und ein gewisses Risiko einfach mit einkalkuliert werden muss. Die Gelegenheit wie auch der Wille, genau jetzt und nicht irgendwann später auszuwandern, waren zu diesem Zeitpunkt vorhanden und alles andere würde sich schon fügen. Beruhigend zu wissen, dass wir nicht ganz alleine bei unserer Auswanderung von Deutschland nach Frankreich da stünden, erschien uns das Auswandern ohne größere Turbolenzen definitiv möglich.

Sprachkenntnisse – Ohne sie wird´s schwierig

Auch, wenn wir im wunderschönen Elsass nicht zwingend auf Sprachkenntnisse im alltäglichen Leben angewiesen sind, hat sich die Unkenntnis der französischen Sprache bei der Beschulung der Kids als ein Problem herausgestellt. Zwar gibt es hier bilinguale Schulen, die den Unterricht zum Teil in der deutschen Sprache abhalten. Allerdings sind diese Bilang-Schulen nicht in unmittelbar in der Nähe unseres Wohnortes und daher ist die Fahrt zur Schule für die Kinder nicht ohne Weiteres möglich. Nachdem die Kinder nun bereits eine Weile in die Schule gehen, stellte sich heraus, dass es Schwierigkeiten gibt, aber sie nicht so gravierend sind, wie wir es befürchteten. Doch auch da muss man bedenken, dass viele Lehrer vor Ort Deutsch sprechen und auch die meisten Klassenkameraden. Dies ist ganz sicher nicht in jeder Region Frankreichs so und schon gar nicht in jedem Auswandererland. Derzeit pauken wir die wichtigsten Vokabeln mit den unterschiedlichsten Hilfsmitteln, damit wir Französisch verstehen und sprechen lernen und wir hoffentlich in absehbarer Zeit wirklich autark unsere Angelegenheiten regeln können. Neben einem finanziellen Polster (Hilfen kosten Geld!) sind also die Sprachkenntnisse definitiv wichtig. Ohne sie fühlt man sich wirklich oft verloren und ist unselbständig. Mehr als nur sinnvoll ist es auch, sich zu belesen um zumindest einen groben Überblick zu bekommen, wo man wie was erledigen kann und worauf man achten sollte, wenn man sich für´s Auswandern in ein bestimmtes Land entscheidet. So hat man zumindest ein grobes Rüstzeug, an dem man sich ein wenig orientieren kann. Ob man alles im kleinsten Detail plant oder doch lieber ins kalte Wasser springt, ist sicher auch eine Frage der eigenen Einstellung. Eins war uns klar: Wenn nicht jetzt, wann dann?

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